"Wir müssen raus aus der kleinen Ecke"

Andreas Eke ist einer der fünf neuen Ashoka-Fellows. Wer ist er und was macht er genau? Drei Fragen, drei Antworten.
Andreas Eke, Mitgründer von The Generation Forest

Aufforstungsprojekte gibt es ja bereits einige. Was macht The Generation Forest anders als andere? 

Einfach ausgedrückt haben wir als Erste Dinge zusammengefügt, die es so bereits gab, aber eben nicht als Einheit. Bis wir kamen, gab es natürliche Wälder und Plantagen – dazwischen gab es nichts. Plantagen können ökonomisch sehr profitabel sein, vorausgesetzt, sie sind gut organisiert. Jedoch tragen sie weder zum Schutz des Bodens noch zu dem des Wassers und des Habitats bei. Ein natürlicher Wald bietet diesen Schutz, jedoch hat der Mensch, der dort lebt, ökonomisch das Nachsehen. Wir haben also überlegt: Wie kann man diese beiden Eigenschaften – auf der einen Seite die Schutzfunktion, auf der anderen Seite der ökonomische Gewinn – zusammenbringen? Dazu muss man auch wissen, dass die Böden in den Tropen Wald brauchen, um fruchtbar zu bleiben. Das ist anders als beispielsweise in Deutschland, wo die Mehrheit der Wälder vor mehr als hundert Jahren abgeholzt wurde, man auf ihnen aber immer noch Landwirtschaft betreiben kann. Holzt man Bäume in den Tropen ab, wird der Boden darunter schnell wertlos. Ich vergleiche das gern mit einem Unternehmen, das hundert Maschinen hat und jede Woche geht eine von ihnen kaputt, weil sie genutzt wird. Anfangs ist das noch okay, aber je mehr Maschinen wegfallen, desto unprofitabler wird das Unternehmen. 

Warum habt ihr das Konzept Generationenwald genannt?

Da Böden, die nicht mehr durch einen Naturwald angereichert werden, schnell versiegen, sind Plantagen auf wenige Jahre angelegt. Ist ein Boden tot, ziehen Mensch und Maschine weiter. Mit unseren Generationenwäldern hingegen haben wir uns für die kommenden hundert Jahre verpflichtet: ökologisch, ökonomisch und sozial. 

Ursprünglich stammst du aus Norddeutschland – wie bist du auf die Idee gekommen, in Panama und Nicaragua Bäume zu pflanzen?

Was mir wichtig ist: Auf die Idee bin ich nicht alleine gekommen. Meine frühere Frau und noch immer Geschäftspartnerin Iliana Armién ist aus Panama, 1994 gründeten wir gemeinsam den Futuro Forestal. Arbeitstitel zu Beginn des Generationenwald-Projekts war übrigens low risk forest, also ein Wald, der geringere Risiken für Investoren darstellen sollte. Unseren Mitarbeitern bieten wir eine bessere Ausbildung, unsere Wälder sind keine Monokulturen, die beispielsweise ein Schädling mal eben so zerstören kann. Aus der ökologischen Krise machen wir eine ökonomische Opportunität. Was die Flächen angeht, auf denen Generationenwälder entstehen, sind wir konkurrenzlos – weil wir die einzigen sind, die mit diesen erodierten Böden noch etwas anfangen können. Nun wird es darum gehen, möglichst viel Fläche in Generationenwälder umzuwandeln. Wir müssen raus aus der kleinen Ecke. Wir müssen handeln, bevor es für die Welt und damit für uns zu spät ist. 

  

 

Zu The Generation Forest

Das Klima zu schützen, hält Andreas Eke für eine der größten Aufgaben der Menschheit. Er und seine Mitgründerin Iliana Armién  gehen sogar noch einen Schritt weiter, sie sagen: Unternehmerisches Handeln kann sozial verantwortlich sein. Die Natur und damit das Klima sollen profitieren, aber eben auch die Menschen. Ihr Konzept: ein sogenannter Generationenwald, ein Generation ForestDie Arbeit von Andreas Eke und Iliana Armién basiert auf mehr als 20 Jahren Erfahrung der Forstpartner*innen. Als Waldmenschen eG gestartet (die Genossenschaft umfasste elf damals Mitglieder), ist der Generationenwald inzwischen gewachsen – auch und vor allem, was die gepflanzte Waldfläche angeht. Im vergangenen Jahr entschlossen sich Eke und Armién, den Namen ihres Forstkonzeptes anzunehmen: The Generation Forest.