Neue Studie des betterplace lab mit Unterstützung von Ashoka, Sage Foundation, randstad stiftung und Zalando.

  • Sozialunternehmen können entscheidend dazu beitragen, die notwendigen Kompetenzen für die Arbeit im 21. Jahrhundert großflächig zu vermitteln.
  • Eine neue Studie des betterplace lab („Fit für die digitale Transformation: Soziale Innovation in der beruflichen Weiterbildung“) zeigt, wie Sozialunternehmen mit ihren Weiterbildungsangeboten eine Brücke zwischen Privatwirtschaft, öffentlichen Institutionen und Bildungssektor bauen können.
  • Die Studie porträtiert beispielhaft drei der rund 1.700 Sozialunternehmen in Deutschland.
  • Die Analyse liefert einen Überblick über Merkmale und zentrale Erfolgsfaktoren ihrer Weiterbildungsprogramme:
  1. Besonders hohe Arbeitsmarktrelevanz
  2. Vermittlung von Meta Skills wie Lernbereitschaft und Eigenverantwortung
  3. Schaffung eines gesamtgesellschaftlichen Mehrwerts neben den reinen Bildungsinhalten.

Innovative Ansätze von Sozialunternehmer*innen können eine entscheidende Rolle in der beruflichen Weiterbildung spielen. Das gilt insbesondere für Sozialunternehmen, die sich auf den Aufbau von Human-, Meta- und Digitalkompetenzen spezialisiert haben. Dies ist ein zentrales Ergebnis einer neuen Studie des betterplace lab mit dem Titel „Fit für die digitale Transformation: Soziale Innovation in der beruflichen Weiterbildung“. Die gemeinnützige Organisation hat darin drei Sozialunternehmen porträtiert, die im Bereich berufliche Weiterbildung erfolgreich sind. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1.700 Sozialunternehmen. Unterstützt wurde die Studie von Ashoka, Sage Foundation, randstad stiftung und Zalando.

Die drei porträtierten Sozialunternehmen sind das DCI Digital Career Institute, N3xtcoder und das Institut für berufliche Fortbildung. Das DCI Digitale Career Institute unterrichtet Geflüchtete, Migranten und Deutsche in einjährigen Intensivkursen im Bereich Web Development und agilem Arbeiten. Das Sozialunternehmen N3xtcoder engagiert sich dafür, digitale Kompetenz in den sozialen Sektor zu bringen. So bildet es zum Beispiel gemeinsam mit dem Goethe-Institut Software-Entwickler*innen aus, die dann im Idealfall im Goethe-Institut verbleiben. Am Institut für berufliche Fortbildung lernen Aus- und Weiterzubildende im Kfz-Bereich das sogenannte “Smart Repair” von Automobilen, eine Methode, mit der oberflächliche Schäden am Fahrzeug mit weniger Aufwand und kostengünstiger repariert werden können.

Die Analyse zeigt: Von herkömmlichen Bildungsanbietern unterscheiden sich die drei Sozialunternehmen insbesondere durch ihren ganzheitlichen Blick auf den Menschen. Dieser schafft einen Rahmen, in dem sich die Teilnehmer selbst als Lernende kennenlernen und letztlich Handlungsfähigkeit in Bezug auf ihre eigenen Berufs- und Bildungsbiografien erlangen sollen. Das DCI Digital Career Institute etwa bietet einen einmonatigen Orientierungskurs an, bei dem die Neuen mehr über das Tätigkeitsfeld, gleichzeitig aber auch über sich selbst erfahren. Beim Institut für berufliche Fortbildung können die Teilnehmer entsprechend ihrer Bedürfnisse passende Lehrmodule auswählen. Zudem bemerkenswert: Sie profitieren von einer individuellen Betreuung durch das Lehrpersonal. Ein weitere Besonderheit von Sozialunternehmen ist, dass sie stets den positiven gesamtgesellschaftlichen Wandel im Blick haben. So orientieren sich ihre Ansätze beispielsweise an der Erfüllung der UN Sustainable Development Goals (N3xtcoder) oder der Unterstützung von benachteiligten Gruppen (DCI Digital Career Institute).

Das dritte Merkmal ist gleichzeitig das entscheidende Erfolgskriterium der porträtierten Anbieter: Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen. Beim DCI Digital Career Institute sind das unter anderem Trivago und Google; bei N3xtcoder Zalando und Volkswagen. Es sind solche Verbindungen, die für eine besonders große Arbeitsmarktrelevanz der Weiterbildungsprogramme sorgen. Und das hat wiederum positive Konsequenzen für die Finanzierung, weil Arbeitsagenturen und Jobcenter ihre Zuschüsse leichter bewilligen, wenn sie sehen, dass die Maßnahmen Erleichterungen auf dem Arbeitsmarkt bewirken.

„Die Studie möchte Orientierung und Motivation für jene bieten, die ihre eigens erarbeiteten sozial-innovativen Bildungsangebote in die Tat umsetzen wollen“, sagt Yannick Lebert von betterplace lab. Dazu wird beispielsweise erörtert, worauf es ankommt, um als Weiterbildungsanbieter eine öffentliche Förderung zu erhalten. Zentrales Ergebnis: Anbieter sollten ihre Programme in Abstimmung mit relevanten Akteuren aus der Wirtschaft – beispielsweise Branchenverbänden – so gestalten, dass eine möglichst große Arbeitsmarktrelevanz entsteht. Lebert: „Es empfiehlt sich daher, Programme im Verbund mit relevanten Akteuren bei den entsprechenden öffentlichen Stellen vorzustellen.“ Für die Studie haben die Autoren auch zahlreiche qualitative Interviews mit Wirtschaftsunternehmen geführt. Konkret ging es darum, den tatsächlichen Bedarf an

Kompetenzentwicklung der Belegschaft zu ermitteln sowie die Vorstellungen der Unternehmen darüber zu erfassen, wie sich eine bessere Zusammenarbeit mit Sozialunternehmen gestalten ließe. Das Ergebnis: Die Unternehmen müssen Wege finden, wie sie das volle kreative Potential unter ihren Mitarbeiter*innen identifizieren und für die Organisation nutzbar machen können. Denn sie brauchen innovative Produkte, um den Anschluss nicht zu verlieren. Sozialunternehmen können dabei helfen und wichtige Impulse für die Zukunft geben, wie die porträtierten Fälle zeigen. Doch braucht es bei ihnen oftmals noch mehr Kompromissbereitschaft, Kreativität und unternehmerisches Denken, um wirkungsvollere Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen aufzubauen.

Auch der Gesetzgeber kann Schritte einleiten, um die berufliche Weiterbildung fit für die digitale Transformation zu machen. Einerseits sollte er laut den Autoren der Studie dafür sorgen, dass die Zulassungsstellen für Weiterbildungsmaßnahmen mit genügend fachlicher Expertise ausgestattet sind, um innovative Ansätze angemessen bewerten zu können. Andererseits sollte er den derzeit möglichen Einfluss von Antragstellern auf die Entscheidungen der Zulassungsstellen reduzieren. Die Autoren empfehlen des Weiteren, dass individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten von den finanziellen Möglichkeiten des jeweiligen Arbeitgebers entkoppelt werden, indem der Gesetzgeber die Einrichtung branchenspezifischer Weiterbildungsfonds durch die Tarifparteien unterstützt.

Über das betterplace lab:

Das betterplace lab ist überzeugt: Die Digitalisierung kann die Welt verbessern. Dafür forscht und experimentiert das betterplace lab an der Schnittstelle zwischen Innovation und Gemeinwohl. Als Forschungsabteilung von betterplace.org, Deutschlands größter Spendenplattform, verbreitet sie Wissen, inspiriert durch Geschichten und kämpft dafür, dass die Digitalisierung positiv genutzt wird. Weitere Infos unter www.betterplace-lab.org.

 

Für weitere Informationen schreiben Sie bitte an yannick.lebert@betterplace.org

 

Die Studie in PDF-Form finden Sie hier.

Bildmaterial in Form des Titelblatts finden Sie hier

Mehr für Sie