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Der historische Moment

Warum wird die Einkommensverteilung weltweit immer ungerechter - unabhängig von wirtschaftlichen Voraussetzungen oder ideologischer Einflüsse? Warum etabliert sich immer mehr eine Politik des “wir gegen die anderen”? Und warum fühlen sich so viele Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt?

Wir befinden und nun an einem wahrhaft historischen Wendepunkt: Eine Welt, die sich weitgehend durch Wiederholung definierte, wird nun ersetzt durch eine Welt, die sich durch genau das Gegenteil definiert – Wandel. Die Vielzahl an Veränderungen in der Welt und die immer dichtere Vernetzung – beide bedingen und verstärken sich gegenseitig – haben sich in den vergangenen 300 Jahren extrem beschleunigt. Die Globalisierung und technologische Innovationen verbinden uns auf eine neuartige Weise, tragen Barrieren ab und ermöglichen beinahe uneingeschränkte Teilhabe.

Gleichzeitig sinken bereits seit dem Jahr 1700, die Nachfrage und das Bedürfnis nach Wiederholung im Arbeits- und Alltag. In der Vergangenheit lag der Wert in der Effizienz der Wiederholung (denken Sie an Fließbänder und Anwaltskanzleien). Die Menschen haben sich Fähigkeiten für einen Beruf angeeignet (z.B. Bänker*innen oder Bäcker*innen) und wiederholten diese Tätigkeiten ein Leben lang, an ein und demselben Arbeitsplatz. Das alles verschwindet nach und nach. Das sind die Fakten.

Heute liegt der Wert darin einen Beitrag zur Veränderung zu leisten und sich an sie anzupassen. Um die Veränderungen mitgestalten zu können, die uns umgeben und alle früher oder später beeinflussen werden, muss man selbst zu einem Changemaker werden.

Um zu Changemakern zu werden, müssen wir uns andere Fähigkeiten aneignen, als die Fähigkeiten, die in der verschwindenden Welt der Wiederholung nützlich und notwendig waren. So eine Welt, in der stetig alles in Bewegung ist und in der jede und jeder ein Changemaker sein kann, muss ebenso fluide und offen in teams of teams gestaltet werden.

 

Die neue Ungleichheit

Ein Teil der Weltbevölkerung hat bereits gelernt, zu Veränderungen beizutragen und sich an diese anzupassen. Und somit zu effektiven Mitgliedern einer sich fortwährend verändernden Welt zu werden, in der die neue Realität durch eine Teams of Teams Struktur umgesetzt wird. Die Menschen helfen sich gegenseitig, bessere Changemaker zu werden, um so gemeinsam als Team erfolgreich zu sein, aber auch um des persönlichen Glücks Willen. Diesem Teil der Menschheit geht es gut damit.

Der große andere Teil der Gesellschaft verfügt jedoch noch nicht über die erforderlichen Changemaker-Fähigkeiten, die notwendig sind um diese neue Realität zu leben, in der sich alles immer schneller verändert.

Das Ergebnis: Es zeichnet sich einer zunehmende und schärfer werdende neue Ungleichheit ab, die die verschiedenen Teile der Weltbevölkerung voneinander trennt.

Und im Gegensatz zu anderen, wird diese neue Ungleichheit von Jahr zu Jahr größer, je mehr sich der Wandel beschleunigt. Die Gewinner helfen sich gegenseitig, immer kompetenter und selbstbewusster zu werden - während die Verlierer immer rascher zurückfallen.

Warum wird die Einkommensverteilung weltweit immer ungerechter? Grund dafür ist, dass es jede Menge Angebote für diejenigen gibt, die bereits über die maßgeblichen Fähigkeiten verfügen, um Veränderungen herbeizuführen. Die Angebote für diejenigen, die nicht dazu gehören, fallen aber weg. (Wer die komplexen Changemaking-Fähigkeiten nicht beherrscht, wird andere verletzen und Teams zerstören.)

Aus diesem Grund verbreitet sich auch eine Politik des “wir gegen die anderen”. Indem eine Gesellschaft zu Menschen sagt: „Geht weg!“ „Wir brauchen euch nicht.“ „Ihr seid Schuld!“ und „Eure Kinder werden keine Zukunft haben“, verletzen wir diese Menschen tief. Sie antworten mit Unmut und bleibender Wut.

Eine Welt, die so gespalten ist, die sich so vielen Menschen gegenüber verletzend verhält, ist dysfunktional. Schlimmer noch, sie ist unethisch.

 

Der neue Rahmen

Was sind die wesentlichen Fähigkeiten eines Changemakers?

  • Kognitive Empathie ist eine grundlegende Fähigkeit, die von Kindesbeinen an beherrscht wird und danach kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. Die Großhirnrinde und die sogenannten Spiegelneuronen („Ich spüre deinen Schmerz“) müssen dafür bewusst zusammen arbeiten, um das schnelle Zusammenspiel und die Interdependenzen von Menschen und Kontexten zu verstehen und abzubilden. Ohne diese Fähigkeit würde man andere verletzen und Gruppendnamiken stören - und daher zur Seite geschoben werden. (Es ist nicht mehr möglich, ein guter Mensch zu sein, indem man gewissenhaft vorgegebene Regeln. Je schneller sich Veränderungen ereignen, desto weniger stimmen Regeln damit überein.)

  • Anspruchsvolle Teamarbeit. IIm Wesentlichen handelt es sich hierbei um eine neue Welt. Kollaborative Teamarbeit in beweglichen „Teams von Teams“, bei der wir kleinen Gruppen die Freiheit zum Experimentieren geben und gleichzeitig alle dazu bringen, das Gelernte in der gesamten Organisation zu teilen.

  • Neue Führung. Das alte Modell, anderen zu sagen, was und wie etwas wiederholt umgesetzt wird, ist sowohl ineffektiv als auch ein Hindernis für die organisatorische Anpassung an neue Umstände. Die neue Führung beginnt mit der Vorstellung neuer Möglichkeiten, dem Zusammenbringen des richtigen Teams und der Gestaltung der passenden Architektur, die für die Zusammenarbeit eines Teams erforderlich ist. So können alle Mitglieder in den Teams auf allen diesen Ebenen ihren Beitrag leisten.

  • Changemaking. Eine Führungskraft muss zuallererst die Fähigkeit besitzen Muster von Veränderungen zu erkennen, bevor sie Visionen weitertreiben/Möglichkeiten gewähren/Sicherheit schaffen kann. Sie muss vorhersehen, wie diese Muster in Zukunft aussehen werden. Sie muss Bedürfnisse/Chancen für eine bessere Welt erkennen, eine Vorstellung davon haben, wie das beste Team of Teams zusammengestellt sein muss. Und sie muss stetig neue Fähigkeiten entwickeln, um Personen individuell, als auch Teams zu empowern, weiter zu bringen und für sie den Fokus zu halten oder zu verändern.

Die wichtigste Aufgabe in dieser Welt - und damit der strategische Kernfokus von Ashoka - besteht somit darin, jeder*m zu helfen, diese neue Realität zu „sehen“. Jeder Mensch soll verstehen können, wie sie oder er dazu beitragen kann, wirkungsvoll sein kann und – in anderen Worten – ein Changemaker sein kann.

So können wir gemeinsam daran arbeiten, die neue Ungleichheit zu beseitigen und die neue Welt mitgestalten. Dafür gibt es zwei wichtige Voraussetzungen:

  • Wir müssen neu definieren, was Erfolg im Erwachsenenalter ausmacht. Kinder müssen kognitive Empathie beherrschen und weiterentwickeln. Jugendliche müssen diese Form der Empathie üben und zu Changemakern heranwachsen, indem sie alle vier Fähigkeiten beherrschen. Der Test: Wie viele Judendliche wissen überhaupt, dass sie Changemaker sind? Die Zukunft einer Gemeinschaft oder Gesellschaft wird immer mehr von diesen Maßnahmen abhängen. (Diese Fähigkeiten werden ein ganzes Leben lang nützlich und notwendig sein. Damit sind alle Altersgruppen gefragt, sich gegenseitig dabei zu unterstützen Changemaker zu werden.))

  • Organisationen müssen sich umstrukturieren, in flexible und fluide Teams of Teams von in Changemakern.

 

Ashokas Theory of Change 

Eine weitere Aufgabe ist, diese universellen Prinzipien weiterzutragen und zu verbreiten. Beispielsweise in Metropolregionen wie Seattle oder nach Indien und ebenso auch alle demographischen Gruppierungen und Bereiche mit einzubeziehen (z.B. die Bereiche Umwelt oder Social Finance).

In den letzten sechs Jahren entwickelte Ashoka eine Theorie (inzwischen Praxis) des Wandels, die es unserer Gemeinschaft ermöglicht, aktiv an der Entwicklung dieser Änderungen mitzuarbeiten. Dieser „Collaborate Entrepreneurship Jujitsu“ (CEJ)-Prozess, der bereits vor großen Rahmenveränderungen gut funktionierte, setzt sich durch.

Ashoka als Gemeinschaft und Bewegung ist in der einzigartigen Position, erfolgreich und wirkungsvoll an diesen Veränderungen mitzuarbeiten. Wir waren von Anfang an (wie die meisten Fellows) der Meinung, dass „jede*r ein Changemaker“ ist. Wir haben unser Verständnis und unsere Ansätze seit vielen Jahren weiterentwickelt und ausgebaut und haben uns zu Experten auf diesem Gebiet etabliert.

Wir verfügen auch über den einzigartigen und entscheidenden Vorteil von 3.600 Ashoka Fellows (und vielen weiteren unternehmerischen Partner*innen).

  • Mit zunehmendem Wandel sind diese erstklassigen Entrepreneurs vielleicht die einzige zuverlässliche Gruppe von Menschen, die im Stande ist die Zukunft vorherzusagen. Sie würden ihr Lebenswerk nicht aufs Spiel setzen, ohne zumindest eine Ahnung davon zu haben, wie sich die Gesellschaft durch ihre Innovation und Arbeit positiv verändern wird, bzw. wie sich Innovationen verändern müssen, um auch noch in 20 Jahren zu den gesellschaftlichen Voraussetzungen zu passen. Wir können uns auf ihr Vorbild und ihre wegweisende Arbeit verlassen. (Von unseren mehr als 1.000 Fellows, deren Arbeit sich auf junge Menschen fokussiert, beziehen 90 bis 95 Prozent diese auch direkt als Verantwortliche mit ein.)

  • Sie erstellen zahlreiche Leitmodelle.

  • Sie sind die richtigen Leute, die wir brauchen, um den CEJ-Prozess gemeinsam zu gestalten. Sie wurden geboren, um die Welt zu verändern und bringen viel Erfahrung und Wissen mit.

  • CEJs helfen den Fellows und ihrer Arbeit, besonders wenn die Fellows selbst die Führung übernehmen.

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