"Unternehmer*innen brauchen jetzt nicht nur betriebswirtschaftliche Beratung, sondern auch emotionale Unterstützung"

Mit TEAM U gründete Attila von Unruh das erste Sozialunternehmen für Restart und Turnaround-Beratung in Deutschland. TEAM U befähigt Selbstständige und Unternehmer*innen, sicher mit Veränderungen und Krisen umzugehen und bietet Unterstützung für einen erfolgreichen Neustart. Sein Ziel ist, 50 % aller Firmeninsolvenzen in Deutschland zu verhindern – gerade eine schwierige Aufgabe.
Ashoka-Fellow Attila von Unruh

Die weltweite Corona-Krise ist nicht nur eine Belastung fürs Gesundheitssystem – auch wirtschaftlich kommen viele Unternehmer*innen an ihre (Existenz-) Grenzen. Wie erlebst du die Situation derzeit?

TEAM U unterstützt Unternehmer*innen in Krisen. Wir erleben einen Tsunami an verzweifelten Hilferufen – von Selbstständigen, Freiberuflern, kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Bundesregierung handelt. Das ist vorbildlich! Allerdings hapert es an der Umsetzung der Beschlüsse, hier braucht es schnellere und unbürokratische Weiterleitung der Mittel.

Was brauchen Unternehmer*innen vor allem? Und wie kannst du helfen?

Wir erwarten eine Welle von Insolvenzen kleiner Unternehmen und Selbstständiger von noch nie da gewesenem Ausmaß. Mit TEAM U beraten und begleiten wir Unternehmer*innen – sie brauchen nicht nur betriebswirtschaftliche Beratung, sondern auch emotionale Unterstützung. Existenzbedrohende Krisen sind eine emotionale Ausnahmesituation. Als erfahrene Krisenlotsen zeigen wir Wege aus der Krise auf und helfen beim Re-Start.

Alle reden von Solidarität – Social Entrepreneurs wie du leben Gemeinsinn und Zusammenhalt schon seit Jahren, teils Jahrzehnten. Wie empfindest du den derzeitigen Stimmungswandel? Und was erhoffst du dir davon?

Wie immer unterstützen sich Social Entrepreneurs und stehen zusammen, um die Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Es gibt viele Lösungsansätze und Chancen für einen Systemwandel, der sich auch auf die Wirtschaft übertragen kann. Es braucht jetzt besondere Unterstützung für Social Entrepreneurs durch finanzielle Mittel, damit sie in die Lage versetzt werden, großflächig mit ihren Lösungsansätzen zu skalieren. Ich sehe in der aktuelle Situation als Risiko, dass viele Social Entrepreneurs ohne finanzielle Mittel insolvent gehen. Ich sehe aber auch die einmalige Chance, dass sie durchstarten können, wenn sie die erforderlichen Mittel dafür bekommen. Hier sind Stiftungen und Unterstützer gefragt.